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13. Jahreskongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Frankfurt am Main

Intensiver Wissensaustausch und praxisnahe Vorträge

Auch in diesem Jahr haben - ähnlich wie 2016 - fast 400 Teilnehmer an zwei Tagen einen thematisch praxisnahen Kongress mit interessanten Vorträgen und Diskussionen erlebt. Neben medizinischen Vorträgen zur Herztransplantation und dem Zusammenspiel von Organ- und Gewebespende ging es ebenso um ethische Fragestellungen sowie juristische Aspekte zur Rolle der Rechtsmedizin im Organspendeprozess.

 

Zusätzlich zur klassischen Vortrags-Weiterbildung wurden auf dem 13. Jahreskongress zwei Workshops angeboten unter dem Titel "Interaktive Fallbesprechung Organspende".

 

Die jährlich stattfindende Fachtagung der Deutschen Stiftung Organtransplantation richtet sich in erster Linie an Ärzte und Pflegekräfte aus den Kliniken, die Organspenden bzw. Transplantationen ermöglichen.

 

Emotionaler Auftakt: Persönlicher Dank an die Kongressteilnehmer

 

Hoffnung und Leid liegen bei dem Thema Organspende ganz nah beieinander, darüber berichteten gleich zu Beginn der Tagung die beiden Betroffenen Marita Donauer und Radsportler Christoph Biermann.

 

Marita Donauer stimmte vor elf Jahren der Organspende bei ihrem Bruder zu und sprach in ihrer Rede vor dem medizinischen Fachpublikum über die Organspende als eine Entscheidung für das Leben. Sie sei heute überzeugt, im Sinne ihres Bruders gehandelt  zu haben. Aber es habe auch Momente des Zweifelns gegeben. Insbesondere ein anonymer Dankesbrief des Lungenempfängers habe ihr gezeigt, wie wichtig und richtig diese Entscheidung gewesen sei.


Der herztransplantierte Christoph Biermann zeigte den Anwesenden in einem beeindruckenden Kurzfilm, was ein transplantiertes Herz alles zu leisten vermag. Biermann bezwang drei Jahre nach seiner Transplantation mit dem Fahrrad den Berg der Berge, den Giganten der Provence:  den Mont Ventoux. Er bedankte sich bei allen Kongressteilnehmern für ihren Einsatz und sein Glück, die Chance bekommen zu haben, weiter leben zu dürfen.

 

Damit auch vielen anderen Patienten auf der Warteliste dieses Glück einer Transplantation geschenkt werden könne, müsse aus der derzeitigen Situation heraus ein Strategieorchester für mehr Organspenden entstehen, forderte der Festredner Thomas Reumann, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. In seiner Rede dankte er der DSO, die tagtäglich einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung der Krankenhäuser im Organspendeprozess leiste.

 

Organspende als festen Bestandteil der Versorgung am Lebensende integrieren

 

Die Organspendezahlen waren zum 13. DSO-Kongress auf einem nie geglaubten Tiefpunkt angelangt. Vor diesem Hintergrund war der erste Kongresstag geprägt von Vorträgen über die aktuelle Situation der Organspende. Vorträge zu Therapiestrategien am Lebensende und Patientenverfügungen standen ebenso auf dem Programm wie Erfolgskonzepte aus dem Arbeitsalltag von Kliniken auf Länderebene wie auch im internationalen Vergleich.


Dr. med. Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der DSO, präsentierte die aktuelle Entwicklung der Organspende, erste Ursachenanalysen und Lösungsansätze. Würden mögliche Organspender nicht erkannt bzw. in den Kliniken nicht daran gedacht, bedeute dies nicht nur für die Patienten auf der Warteliste einen Verlust an Lebenschancen, es sei darüber hinaus eine Nichtachtung des Willens des Verstorbenen, betonte der Mediziner. So habe es sich in anderen Ländern als besonders wichtig erwiesen, die Organspende als festen Bestandteil der Versorgung am Lebensende zu etablieren und das nicht nur in den Kliniken, sondern insbesondere auch im Selbstverständnis der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang ist auch eine bessere Aufklärung über Patientenverfügungen erforderlich, um zu ermöglichen, dass der Wunsch nach einer Organspende am Lebensende auch realisiert werden kann. So zeigte eine beim Kongress vorgestellte Analyse von Patientenverfügungen, dass mitunter einzelne Formulierungen in dem Dokument einer Organspende unwissentlich entgegenstehen.

 

Prof. Dr. med. Björn Nashan, Stiftungsratsvorsitzender der DSO, forderte eine öffentliche Diskussion auch zu innovativen Themen, wie sie in anderen Ländern bereits geführt werde und stellte hierzu das Züricher Modell der Organspende nach Herz-Kreislauf-Stillstand vor, das die Feststellung des Hirnfunktionsausfalls vor der Organspende nach einem eigenen Protokoll vorsieht. Auch die Option einer Wiederaufnahme der Diskussion zur Widerspruchslösung wurde in verschiedenen Vorträgen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

 

Zudem wurden Beispiele für Strukturoptimierungen zur Integration der Organspende in den Klinikalltag vorgestellt. Dazu gehören die automatisierte Integration der Frage nach einem möglichen irreversiblen Hirnfunktionsausfall bei vordefinierten Diagnosen und klinischen Symptomen durch das krankenhauseigene Patientendatenmanagementsystem oder auch die Implementierung von eigens konzipierten Klinikworkshops, um ärztliches und pflegerisches Personal für das Thema Organspende in der klinischen Routine zu sensibilisieren.

 

Bis die Xenotransplantation eine medizinische Behandlungsoption für Wartelistenpatienten werden könne, müssten die Strukturen der Organspende in Deutschland weiter verbessert werden – lautete auch das Credo des Präsidenten der Deutschen Transplantationsgesellschaft, Prof. Dr. med. Bernhard Banas. Zunächst müssten jedoch die weißen Flecken bei der Datenerhebung mit Blick auf das Transplantationsregister mit Inhalten gefüllt werden. Nur so könnten Entscheidungen auf einer soliden Datengrundlage getroffen werden.

 

Besonderes Engagement ehren und Wertschätzung fördern

 

Im Rahmen der 13. DSO-Jahrestagung fand in diesem Jahr die Verleihung des Helmut Werner-Preises durch die Kinderhilfe Organtransplantation (KiO) statt. Die festliche Preisverleihung war erstmals Teil der Abendveranstaltung des DSO-Kongresses.

 

Eingebettet in ein musikalisches Rahmenprogramm der nieren- und pankreastransplantierten Opernsängerin Lori-Kaye Miller wurde der Preis an Jens Terjung verliehen. Jens Terjung betreut am Universitäts-Klinikum Freiburg in der Klinik für Angeborene Herzfehler seit dem Jahr 2008 Kinder, die sich einer Herztransplantation unterziehen müssen.

Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung sehen die Freiburger Ärzte die psychosoziale Begleitung durch den evangelischen Seelsorger bis zum Tag der Transplantation sowie im postoperativen Verlauf und in der Nachsorge als unbedingt erforderlich an. Dies betonte die Ärztliche Direktorin Prof. Dr. med. Brigitte Stiller in ihrer Laudatio: „Mit seiner Arbeit ist Jens Terjung sowohl Sympathieträger als auch Qualitätsgarant unserer Transplantationsarbeit."

 

Auf Wiedersehen 2018

Insgesamt zeigten sich alle Teilnehmer mit der Organisation und dem inhaltlichen Angebot des Kongresses sehr zufrieden. Begleitet wurde der Kongress von einer Ausstellung zum Ablauf der Organspende und dem entsprechenden Unterstützungsangebot der DSO während der einzelnen Prozessschritte.

 

Weitere Informationen auf der Website der DSO

 

 

 

 

  • Umfrage-Ergebnisse

    Im Rahmen des Kongresses gab es eine Umfrage zu den Ursachen des Organmangels und möglichen Gegenmaßnahmen. Die Ergebnisse sind als Stimmungsbild zu werten.

    Die Zusammenfassung finden Sie hier.

     
  • Helmut Werner-Preis

    Der Helmut Werner-Preis wird jedes Jahr vergeben und ist nach dem Automobilmanager benannt, der 2004 an den Folgen eines Leberversagens starb, aber die Gründung der Kinderhilfe Organtransplantation (KiO) ermöglichte. Das Preisgeld von 5.000 Euro stiftet die Familie Werner. Über die Preisvergabe entscheiden KiO-Vorstand und KiO-Kuratorium, dem führende Transplantationsmediziner Deutschlands angehören.

    Weitere Informationen auf der KiO-Website

     

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